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EU-Verbot von PFAS: Was sich bei Ewigkeitschemikalien im Alltag ändert

Junger Mann in heller Küche mit Pfanne und Schüssel, daneben Schuhe, Jacke und Essensbehälter auf Holztheke.
In diesem Artikel
  1. Was sich hinter den „ewigen Chemikalien“ verbirgt
  2. Weshalb PFAS Menschen und Umwelt gefährden können
  3. Welche PFAS-Verbote die EU konkret plant
  4. Welche PFAS-Accessoires sich wandeln – und welche möglicherweise wegfallen
  5. Wie sich PFAS schon jetzt im Alltag vermeiden lassen
  6. Warum „Ewigkeitschemikalie“ kein blosses Schlagwort ist
  7. Wie sich unser Alltag in einigen Jahren verändern könnte

Die EU plant ein Verbot für eine umfassende Gruppe von Substanzen, die sich in Kochtöpfen, Jacken, Kosmetika und selbst Pizzakartons finden. Forschende weisen seit Jahren auf die Gefahren dieser sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ hin. Europa könnte nun bald handeln – mit Auswirkungen auf den Haushalt, die Garderobe und unseren Anspruch an Komfort.

Was sich hinter den „ewigen Chemikalien“ verbirgt

Bei den betreffenden Stoffen handelt es sich um PFAS, also per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Der Begriff umfasst mehr als 9.000 unterschiedliche Chemikalien, die seit den 1940er-Jahren verwendet werden. Sie weisen Wasser und Fett ab, halten hohen Temperaturen stand und sind gegenüber anderen Chemikalien ausgesprochen widerstandsfähig. Eben diese Eigenschaften machten sie für die Industrie besonders attraktiv.

PFAS begegnen uns im Alltag an vielen Stellen, meist ohne dass wir es wahrnehmen. Dazu zählen etwa:

  • Antihaftbeschichtete Pfannen und Töpfe
  • Imprägnierte Outdoor- und Regenjacken
  • Fettabweisende Fast-Food-Verpackungen und Pappschalen
  • Fleckschutzsprays für Sofas und Teppiche
  • Bestimmte Kosmetika, etwa lang haftende Make-up- oder Lippenstift-Formeln
  • Einige Farben, Lacke und Beschichtungen für Möbel und Geräte

Was früher als Vorteil bei der Vermarktung galt, sehen Forschende heute als zentrales Problem. PFAS bauen sich praktisch nicht ab. Sie können über Jahrhunderte in Böden und Gewässern verbleiben und sich in Pflanzen, Tieren und letztlich auch im menschlichen Körper ansammeln.

PFAS sind so stabil, dass sie sich in der Umwelt kaum abbauen – einmal freigesetzt, begleiten sie uns und unsere Kinder über Generationen.

Weshalb PFAS Menschen und Umwelt gefährden können

Die extreme Beständigkeit der Stoffe hat erhebliche Folgen: PFAS breiten sich weltweit aus. Sie wurden in Flüssen, Seen und Meerwasser nachgewiesen, ebenso im arktischen Eis – weit weg von industriellen Standorten. Über Luft, Wasser und Lebensmittel gelangen sie in die Nahrungskette.

Auch im Trinkwasser sind manche PFAS nachweisbar. In einzelnen europäischen Regionen gelten bereits Einschränkungen für Leitungswasser, weil Grenzwerte überschritten werden. Menschen vor Ort wird empfohlen, Wasser zu filtern oder auf Flaschenwasser auszuweichen.

Aus gesundheitlicher Sicht stehen PFAS im Verdacht, mehrere Vorgänge im Körper zu beeinflussen. Studien und Bewertungen aus unterschiedlichen Ländern nennen unter anderem folgende mögliche Auswirkungen:

  • Beeinträchtigungen des Immunsystems, beispielsweise eine schwächere Impfantwort
  • Ein höheres Risiko für bestimmte Krebsarten, etwa Nierenkrebs
  • Veränderungen bei Cholesterinwerten und der Leberfunktion
  • Mögliche Folgen für die Fruchtbarkeit und die Entwicklung von Kindern

Wie genau die Zusammenhänge aussehen, hängt jeweils von der Stoffart, der Dosis und der Dauer der Belastung ab. Trotzdem steigt der politische Druck, die Belastung möglichst deutlich zu verringern. Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, Dänemark, die Niederlande, Norwegen und Schweden, setzen sich schon länger für ein weitreichendes Verbot ein.

Die wissenschaftliche Debatte dreht sich nicht mehr um die Frage, ob PFAS problematisch sind, sondern nur noch darum, wie streng und wie schnell reguliert werden soll.

Welche PFAS-Verbote die EU konkret plant

Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einer weitreichenden Regulierung. Das Ziel lautet, PFAS aus dem Grossteil der Alltagsprodukte zu entfernen. Vorgesehen ist kein plötzlicher Wechsel von einem Tag auf den anderen, sondern ein schrittweiser Ausstieg. Erste Einschränkungen könnten schon ab 2026 gelten.

Unternehmen sollen dadurch Zeit gewinnen, Produkte anzupassen, neue Rezepturen zu erproben und alternative Materialien zu entwickeln. Einen uneingeschränkten Einsatz wird es jedoch nicht mehr geben: Wer PFAS verwendet, muss mit wesentlich strengeren Vorgaben rechnen.

Bereich Typische Produkte mit PFAS Voraussichtliche Veränderung
Haushalt & Küche Antihaftpfannen, Backpapier, beschichtete Backformen mehr keramische oder andere PFAS-freie Beschichtungen
Mode & Outdoor Regenjacken, Wanderschuhe, funktionale Sportkleidung neue Imprägnierungen, die etwas weniger extrem wasserabweisend sein können
Lebensmittelverpackungen Burger-Wrapper, Pizzakartons, Einwegschalen Umstieg auf andere fettabweisende Barrieren
Kosmetik lang haftende Foundations, Mascara, Lippenstift Rezepturwechsel, teils kürzere Haltbarkeit oder anderes Tragegefühl

Für einzelne Bereiche, etwa spezielle Hightech-Anwendungen in der Medizintechnik oder Elektronik, könnten zeitlich befristete Ausnahmen gelten, solange keine sichere Alternative verfügbar ist. Bei Alltagsaccessoires zeichnet sich hingegen eine eindeutige Richtung ab: PFAS sollen durch weniger langlebige Lösungen ersetzt werden.

Welche PFAS-Accessoires sich wandeln – und welche möglicherweise wegfallen

Für Konsumentinnen und Konsumenten stellt sich die Frage, ob sie sich von liebgewonnenen Produkten trennen müssen. Genau genommen verschwinden aber nicht unbedingt die Accessoires selbst, sondern die bisher darin verwendete Chemie. Viele Artikel bleiben erhältlich, könnten jedoch andere Eigenschaften haben.

In der Küche: Pfannen, Backformen und To-go-Verpackungen

Am deutlichsten dürfte der Wandel in der Küche ausfallen. Antihaftpfannen mit herkömmlichen Fluorpolymer-Beschichtungen stehen besonders im Fokus. Hersteller entwickeln bereits Ersatzlösungen wie Keramik- oder Sol-Gel-Oberflächen. Diese können empfindlicher sein und den Umgang verändern: weniger Metallbesteck, schonendere Reinigung und niedrigere Temperaturen.

Auch Einwegverpackungen für Fast Food dürften sich verändern. Fettabweisende Kartons brauchen neue Barrieren, die ohne PFAS auskommen. Einige Ketten erproben bereits Alternativen auf Grundlage von Stärke, Zellulose oder Wachsen.

Im Kleiderschrank: Regenjacken, Funktionskleidung und Sneaker

Outdoor-Mode setzte über Jahre hinweg auf PFAS, um Jacken langfristig wasser- und schmutzabweisend zu machen. Künftig werden zahlreiche Marken auf andere Imprägnierungen umstellen. Regenjacken bleiben zwar wasserdicht, müssen aber womöglich öfter nachbehandelt werden. Manche bisher besonders „pflegeleichte“ Materialien könnten Flecken schneller aufnehmen oder Wasser weniger perfekt abperlen lassen.

Auch Sneaker und Textilien mit „Schmutz-schutz“-Labels stehen zur Diskussion. Wer PFAS-freie Kleidung bevorzugt, sollte verstärkt auf Kennzeichnungen und Angaben der Hersteller achten.

Im Badezimmer: Make-up und Pflegeprodukte

Bislang kommen PFAS in manchen Kosmetika vor, insbesondere bei Produkten, die besonders lange halten sollen. „24-Stunden-Finish“ klingt attraktiv, beruht jedoch häufig auf sehr stabilen Verbindungen. Viele Marken werden ihre Rezepturen künftig anpassen.

Für Anwenderinnen und Anwender kann das weniger Beton-Gefühl auf der Haut und gelegentliches Nachschminken bedeuten, dafür aber weniger bedenkliche Rückstände im Körper. Das betrifft ebenso wasserfeste Mascaras und Lippenstifte mit „Superstay“-Versprechen.

Viele Accessoires bleiben im Regal – sie werden nur ein Stück weniger „perfekt“ und dafür deutlich weniger problematisch für Gesundheit und Umwelt.

Wie sich PFAS schon jetzt im Alltag vermeiden lassen

Wer nicht abwarten will, bis das EU-Verbot vollständig umgesetzt ist, kann bereits heute im Alltag gegensteuern. Einige einfache Massnahmen können die persönliche Belastung spürbar senken:

  • Beim Kauf neuer Pfannen und Töpfe gezielt nach PFAS-freien Beschichtungen fragen, etwa Keramik oder Gusseisen.
  • Häufig verwendete Outdoor-Jacken durch PFAS-freie Alternativen ersetzen und passende Labels kontrollieren.
  • Seltener zu fettigen To-go-Verpackungen greifen und Speisen öfter auf Teller oder in Mehrwegboxen umfüllen.
  • Kosmetika meiden, deren INCI-Liste Begriffe wie „PTFE“, „Perfluor-…“ oder „Polyfluor-…“ enthält.
  • Bei Sprays für Teppiche und Möbel fluorfreie Produkte wählen oder vollständig darauf verzichten.

Auch der Umgang mit älteren Gegenständen bietet einen Ansatzpunkt. Stark beschädigte Antihaftpfannen sollten besser nicht weiter in der Küche verwendet werden. Sehr alte Outdoor-Jacken mit Fluorimprägnierung sollte man ebenfalls nicht unbegrenzt weitertragen.

Warum „Ewigkeitschemikalie“ kein blosses Schlagwort ist

Die Bezeichnung „ewige Chemikalien“ klingt zwar dramatisch, trifft den Kern des Problems jedoch recht genau. PFAS enthalten besonders stabile Bindungen zwischen Kohlenstoff und Fluor. Unter natürlichen Bedingungen werden diese Verbindungen praktisch nicht aufgespalten. Weder Regen, Sonnenlicht noch Bakterien können ihnen viel anhaben.

Dadurch entsteht ein kumulativer Effekt. Jede hergestellte Tonne PFAS bleibt im System. Ein Teil gelangt über Abwasser in Flüsse, über Deponien in den Boden, verdampft und wird in andere Regionen transportiert. So bildet sich mit der Zeit eine Hintergrundbelastung, die selbst dann bestehen bleibt, wenn PFAS nicht mehr aktiv eingesetzt werden.

Besonders kritisch ist diese Eigenschaft für Kinder und Schwangere. Bereits geringe Mengen im Blut können während der Entwicklung Auswirkungen haben. Deshalb fordern medizinische Fachgesellschaften, die Gesamtbelastung zu reduzieren – ähnlich wie früher bei Blei und anderen Umweltgiften.

Wie sich unser Alltag in einigen Jahren verändern könnte

Ein realistisches Bild: In fünf bis zehn Jahren werden in europäischen Küchen überwiegend PFAS-freie Pfannen stehen, in den Kästen neue Generationen von Regenjacken hängen und Fast-Food-Verpackungen mit anderen Beschichtungen ausgestattet sein. Viele Menschen dürften im Alltag kaum einen Unterschied feststellen – abgesehen davon, dass die bevorzugte Pfanne möglicherweise mehr Öl braucht oder die Outdoor-Jacke regelmässig mit einem Pflegespray behandelt werden muss.

Entscheidend wird sein, wie die Industrie diese Aufgabe bewältigt. Unternehmen, die schon jetzt auf tatsächlich langlebige und reparierbare Produkte setzen, können das Vertrauensproblem sogar als Chance nutzen. Marken mit transparenter Kommunikation und umgestellten Lieferketten können sich positiv hervorheben. Zugleich nimmt der Druck zu, Ersatzstoffe sorgfältig zu prüfen, damit nicht „PFAS 2.0“ mit vergleichbaren Problemen auf den Markt gelangt.

Für Konsumentinnen und Konsumenten zahlt sich künftig ein aufmerksamer Blick aus: weniger Versprechen absoluter Fleckenfreiheit und 30-Tage-Haftung, dafür mehr Augenmerk auf robuste, schlichte Materialien. Wer auf diese Weise einkauft, verringert nicht nur das persönliche Risiko, sondern trägt dazu bei, dass „ewige Chemikalien“ irgendwann tatsächlich der Vergangenheit angehören – statt nur einen weiteren Eintrag im Chemikalienlexikon zu bilden.

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Martin Kogler

Martin Kogler ist vielseitiger Fachautor und Berater mit langjähriger Erfahrung in Handwerk, Haushalt, Technik und praktischen Alltagslösungen. Als echter Allrounder interessiert er sich besonders für nachhaltige Reparaturen, smarte Werkzeuge und Tipps, die das Leben daheim einfacher und effizienter machen.

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